Die Backhaus-Turmuhr

Der Fund der historischen Backhaus-Turmuhr vor vier Jahren glich einer Sensation: Forchtenberg könnte im Besitz einer der ältesten Uhren der Welt sein, vielleicht sogar DIE älteste Uhr der Welt in ihren Reihen wissen.

Es ist erfreulich, dass wieder eine alte Turmuhr gerettet wurde.

Vor nicht langer Zeit wurden schmiedeeiserne Uhren als Schrott angesehen, die nur im Weg stehen. Viele Dörfer mussten auf Geheiß der Obrigkeit solche Uhren anschaffen, die oft den Wert eines Bauernhauses ausmachten, denn damals war zwar die Arbeitskraft nicht viel wert, aber das Schmiedeeisen musste sehr aufwendig gewonnen werden.
Alte Turmuhren waren mit einer „Waag“ als Hemmung ausgestattet und gingen oft sehr falsch. So fand ich in Archiv-Unterlagen den Satz: „Die Uhr geht schon wieder eine Dreiviertelstunde vor, wodurch mancherlei Verwirrung entsteht“, und das noch 1861. Fast alle Waaguhren wurden
mit Pendelhemmungen umgebaut, die wesentlich genauer gingen.
So kommt es, dass es kaum noch originale Waaguhren gibt. Glücklicherweise wird heute die Arbeit der damaligen Schmiede und Turmuhrenbauer wieder hoch eingeschätzt und ich hoffe, dass dies so bleibt.

Bernhard Schmidt, Turmuhrenmuseum Gelnhausen

In der heutigen Hauptstraße 40 (früher Gebäudenummer 1) wurde westlich eines alten öffentlichen Brunnens im Jahre 1831 ein Uhrgebäude und 1838 ein Backhaus errichtet.
Im Januar 2012 hat man die Uhr, welche ursprünglich auf diesem Uhrgebäude und 1976 ausgebaut worden war, wiederentdeckt und mit Trockeneis gereinigt. Dabei wurden auch verschiedene Jahreszahlen sichtbar, deren älteste aus dem Jahr 1463 stammt; die Zahlenformen sprechen für eine zeitgenössische Entstehung.
Die schmiedeeiserne Konstruktion der Backhausturmuhr deutet ebenfalls auf das 15. Jahrhundert hin. Von einem Balken des (heutigen) Uhrturmes, an dem der Schlagklöppel befestigt war, ist aufgrund einer IR-Spektroskopie nachweisbar, dass er aus dem Holz eines im Jahre 1460 (+/- 50 Jahre) gefällten Baumes gefertigt worden war. Mit der Entdeckung der alten Backhausturmuhr gingen viele Mutmaßungen einher. War die Uhr von einem Mitglied der Hohenloher Herrschaftshauses der Stadtgemeinde geschenkt worden? Oder war sie ursprünglich gar nicht für Forchtenberg konstruiert worden und eher ein Mitbringsel von Angehörigen der Künstlerfamilie Kern, welche die Uhr von einem ihrer Wirkungsorte wie Würzburg oder Nürnberg mitbrachten? Letztendlich sind dies alles Spekulationen, denn nichts davon kann nach derzeitigem Forschungsstand nachgewiesen werden.

Die nachfolgenden Texte stützen sich auf das, was sich bisher aus den Archivunterlagen erschließen lässt.